WAVES & WOODS: Van Life mit Aline Bock

Aline Bock ist ehemalige Freeride-Weltmeisterin im Snowboarden und tourt seit einem Jahr mit Snowboard, Bike und Surfboard, ansonsten aber allein in ihrem Van durch ganz Europa. In Kooperation mit KEEN FOOTWEAR wollten wir von ihr wissen, wie es sich so on the road lebt, welche Abenteuer sie erlebt hat und ob es etwas anderes ist, als Frau allein zu reisen.

Hi Aline, stelle dich bitte einmal vor!

Ich heiße Aline Bock, bin in Gießen geboren, aufgewachsen am Bodensee in Überlingen und wohne inzwischen seit 15 Jahren in Inns- bruck. Vor 21 Jahren habe ich angefangen mit dem Snowboarden, damals nur als Hobby, was irgendwann zu meinem Beruf wurde. Los ging es mit Halfpipe-Wettbewerben, mit Mitte 20 wechselte ich zum Slopestyle. Ich war immer schon gerne mit meinem Vater im Backcountry unterwegs und so bin ich mit Ende 20 zu den Freeride-Wettbewerben gekommen. 2009 bin ich da Vizeweltmeisterin geworden und 2010 schließlich Weltmeisterin. Parallel zu meinen sportlichen Zielen habe ich immer auch an einem „normalen“ Berufsweg gearbeitet und Sportmanagement studiert. Denn irgendwann ist als Sportler mal die Zeit gekommen, dass man nicht mehr mit der Spitze mithalten kann, und heute ist es auch nicht mehr selbstverständlich, dass man als Athlet in der Firma übernommen wird, für die man lange Jahre gefahren ist. Daher bin ich heute über mein Studium heilfroh! Was ich am Ende wirklich mit dem Studium anfangen werde, weiß ich allerdings immer noch nicht. Event, Marketing… mal schauen.

Gibt es einen besseren Job als Profisportler?

Hm, es gibt solche und solche Momente. Wenn man liefert und es gut läuft, macht alles nur Spaß und es gibt nichts Besseres. Aber es gibt immer Rückschläge wie Verletzungen oder Sponsoren, die man verliert, womit man auch umgehen können muss. Kommt man finanziell noch durch das Jahr? Solche Fragen kamen immer mal wieder hoch und das ist sicher nichts für jedermann. Ich persönlich liebe meinen Beruf, aber es ist auch okay, wenn es irgendwann mal vorbei ist, denn dann kommt der nächste Beruf und es geht anders weiter.

Das Berufsbild des Athleten besteht zu einem großen Teil daraus, dass man ständig unterwegs ist. Du lebst nun seit fast einem Jahr in deinem Wohnmobil. Wie ist das Leben auf der Straße?

Durch meine sportlichen Erfolge bin ich zu zwei großartigen Sponsoren gekommen, die mir seit letztem Juni den Van und alles, was da an Equipment dabei ist, gestellt haben. Seit elf Monaten bin ich jetzt da- mit am Reisen, immer an Bord mein Snowboard, Surfboard und Mountainbike. Von Island bis nach Westsahara bin ich so kreuz und quer durch Europa gereist und habe viele Abenteuer erlebt. Ich genie- ße dabei am meisten die Freiheit, einfach da stehen bleiben zu können, wo es mir gefällt. Außerdem war es für mich am Anfang unheimlich befreiend, meine ganze Wohnung auszuräumen und mich komplett zu minimieren. Ich habe nur das dabei, was ich wirklich brauche. Trotzdem hatte ich am Anfang der Reise natürlich meine Zweifel in Sachen Alleinreisen: Wird alles unterwegs gutgehen? Wird mir irgendwann vielleicht langweilig? Werde ich Angst haben an manchen Plätzen? Werde ich vielleicht sogar ausgeraubt? Und was könnte ich dagegen machen? Im Endeffekt habe ich schließlich alle diese Gedanken einfach über Bord geschmissen und bin einfach losgefahren. Und ja, es gab die Momente, dass ich an Orten gecampt habe, an denen ich mich nicht wohl oder sicher gefühlt habe. Aber auch da dachte ich mir: So schlimm wird es schon nicht. Wenn man mich beklaut, mein Gott, dann ist halt etwas Materielles weg. Wenn mich wer angreifen wollte, würde ich wahrscheinlich auch wissen, wie ich mir zu helfen habe. Von daher kann ich nur jedem Mann und vor allem jeder Frau raten, ab und an einfach mal komplett allein loszureisen. Es kommt eh immer, wie es kommt, und man darf sich im Leben nicht zu sehr verrückt machen. Und gerade als Frau lernt man unterwegs so viel über sich und auch über sein Auto kennen! Ich bin heute nach den elf Monaten so stolz auf mich, dass ich so viele Sachen selber reparieren kann, was ich heute sicher nicht gekonnt hätte, wenn ich jemanden dabeigehabt hätte. Hinzu kommt, dass man viel eher auf fremde Menschen zugeht, da man ja nicht nur allein in seinem Van hocken will. Und da haben allein reisende Frau- en sicher noch einen Vorteil gegenüber Männern. Man kommt superschnell mit neuen Leuten in Kontakt und dank des Vans hat man immer sofort ein Gesprächsthema mit anderen Reisenden.

Hast du Tipps speziell für Frauen, die es dir gleichtun wollen?

Klar! Macht euch von Anfang an einen Plan, seid gut ausgerüstet, wisst euch zu helfen. Lernt im Vorfeld möglichst viel über euer Auto, sodass ihr es allein instand halten und be- und entladen könnt. Und geht halt einfach raus und macht es einfach, anstatt euch zu viele Gedanken zu machen, was alles schiefgehen könnte, und es dann doch nicht zu machen!

Trifft man viele weibliche Alleinreisende?

Ja, man trifft tatsächlich ein paar Mädels, die allein in ihren Vans leben. Und alle, die ich getroffen habe, waren in Marokko. Das Lustige dabei war, dass mir auf der Reise mit der Fähre von Spanien aus un- glaublich viele Leute davon abgeraten haben, allein als blonde Frau dort zu reisen. Ich habe mich von dem Gedanken aber nicht abbringen lassen. Und am Ende war Marokko das Land, das am gastfreundlichsten zu mir war. Außerdem habe ich mich dort nicht eine Sekunde unwohl, unsicher oder sonst was gefühlt. Und wie gesagt, gerade dort habe ich dann auch ein paar andere Mädels getroffen, die solo am Reisen waren.

Kommen wir zu deinem Van: Was für ein Auto hast du?

Es ist eine Fiat-Ducato-Basis vom Wohnmobilausstatter Sunlight. Es hat 150 PS, verbraucht zehn bis zwölf Liter Diesel auf 100 Kilometer, ist 6,40 Meter lang und die Länge erlaubt es, ein riesengroßes Bett hinten drin zu haben, was für mich das absolute Highlight ist.

Auf was kommt es dabei noch an?

Generell und gerade bei einer so langen Reise ist es wichtig, mit qualitativ hochwertigen Dingen ausgestattet zu sein, das fängt bei den Schuhen an, in meinem Fall sind es die KEEN „Terradora Ethos“, und endet bei den Dachgepäckträgern. So ist es garantiert, dass ich die Tage aktiv da draußen verbringen kann.

Was ist der größte Vorteil für diese Art von Fahrzeug?

Ich bekomme meine Surfbretter und Fahrräder supereinfach aufs Auto. Innen habe ich drehbare Vordersitze und somit unglaublich viel Platz im „Wohnzimmer“ des Wagens. Ich habe auch noch Dusche und WC an Bord, was ich ebenfalls nur jedem empfehlen kann. Das ist schon Luxus, sein eigenes Bad immer dabeizuhaben!

Welche Macken hat dein Wagen?

Macken hat es eigentlich gerade nur die, dass mir der Schlauch der Wischwasseranlage abgegangen ist. Aber das konnte ich schnell selber reparieren. Wenn ich etwas am Van verändern sollte, dann wäre es, das Bett hinten so zu verstellen, dass ich das Mountainbike auch mal eben so in das Fahrzeug stellen könnte. Wenn ich beispielsweise surfen gehe, könnte ich das Bike schnell mal hinten reinwerfen. Es werden einfach zu viele Räder geklaut, da ist es schon ein besseres Gefühl, es drinnen zu haben.

Deine Top-Features in deinem Van?

Der Fahrradgepäckträger, der Thule Dachkorb, die Dachbox und der „Elevator“ – dank dieser Sachen bekomme ich alles Mögliche an Sport-Equipment mit. Dann noch ein sehr simples, aber effektives Feature: Ich habe mir ein paar einfache Teppiche gekauft, die ich nicht nur als Fußabtreter nutze, sondern auch, um mich aus dem Sand in der Wüste oder Islands Eis selber befreien zu können, indem ich sie unter meinen Reifen quasi als Sandbleche nutze. Das funktioniert super!

Was sind deine Tipps, wie man es möglichst lange im Wohnmobil aushält, auch wenn es mal ein paar Tage am Stück regnet?

Ich habe diese Regentage, an denen es vielen Leuten zu eng wird in ihren Wohnmobilen, ehrlich gesagt immer sehr genossen, da ich nach den vielen Tagen draußen mit Surfen, Hiken, Biken etc. endlich mal wieder etwas Ruhe hatte und die Zeit immer gerne genutzt habe, um zu lesen, ein paar Dinge am Computer zu erledigen oder einfach auszuruhen. Es war dann immer mal ein Chill-Tag, der mir quasi aufgezwungen wurde.

Trotzdem ist nicht jeder Tag super, oder? Unser Partner bei dieser Geschichte, KEEN Footwear, möchte mehr Frauen dazu inspirieren, mehr Abenteuer da draußen zu erleben. Wie motivierst du dich an solchen Tagen, an denen man eventuell einfach mal im Bett liegen bleiben will, aber für Video- oder Fotoproduktionen rausmuss?

Ja, es gibt immer mal Tage, an denen man sein eigentliches Zuhause oder Freunde vermisst und es einem mal nicht so gut geht. Für mich gab es dann aber nicht die Option, mich im Bett zu verkriechen und gar nichts zu machen, sondern – im Gegenteil – ich gab mir dann einmal einen Ruck und ging trotzdem raus. Das nächste Abenteuer wartet immer auf einen!

Haben dir speziell am Anfang deiner zwölfmonatigen Reise viele Leute davon abgeraten, den Trip allein zu machen? Die heutige Gesellschaft ist ja grundsätzlich eher ängstlicher geworden…

Abgeraten hat mir niemand. Es waren aber manche schon erstaunt, dass ich tatsächlich meine Wohnung auflöste, um meiner Heimat Innsbruck nach 14 Jahren tatsächlich auf unbestimmte Zeit den Rücken zuzukehren. Fragen kamen auf, wo ich denn wohl unterwegs „hängen bleiben“ würde. Die meisten waren am Ende neidisch, haben mir einfach eine gute Zeit gewünscht und hätten es am liebsten auch machen wollen. Sie hätten auch gerne die Möglichkeit gehabt, sich die Zeit zu nehmen, um einfach aus dem Alltag auszubrechen. Angst gehabt hat eigentlich nur meine Mama, die sich gedacht hat: „Was macht sie da nur schon wieder?“

Du sprichst von Leuten, die dich beneiden, dass du so reisen kannst. Hast du für diese Leute noch mal einen Tipp, wie sie es selber hinbekommen können?

Na ja, für mich war es natürlich leicht, diese Reise zu starten. Ich habe keine Familie zu ernähren, ich habe keinen Partner, der zu Hause gebunden ist, ich war nicht an einen Job gebunden, deswegen ist es für mich einfach zu sagen: „Geht raus und macht es!“ Wenn man aber trotzdem diesen Gedanken schon so lange hat, dann ist alles möglich. Dann muss man sich auch befreien, sei es vom Job oder halt von anderen Dingen, die es einem im Alltag oft so bequem machen. Diesen Schritt zu gehen ist sicher nicht ganz einfach. Aber nichts ist unmöglich – und wenn nicht jetzt, wann dann?

Wo geht es als Nächstes hin?

Ich war jetzt noch mal zwei Monate auf Island, was eine superschöne Reise und der perfekte Abschluss meiner kompletten großen Reise war. Jetzt geht es erst mal zurück nach Innsbruck. Ich freu mich drauf – und ich weiß eh, dass es schon ganz bald wieder losgeht! (lacht)